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Gemalte Geräusche

Als Synästhetiker setze ich alles, was ich höre, automatisch in eine Farbe und Form um. Dies gilt besonders für Musikinstrumente (siehe Syn Lexikon).


Bei meiner Wahrnehmung von Geräuschen dagegen sind die Formen sehr unbestimmt. Sie sind in kein Schema einzuordnen. Auch ihre Oberflächenstruktur ist sehr unterschiedlich. Dies hängt wahrscheinlich mit der wenig geordneten Obertonstruktur des Schalls zusammen. Je chaotischer sich die Schallfrequenz präsentiert, desto unförmiger und zerrissener präsentiert sich das synästhetische Abbild des jeweiligen Höreindrucks.


Ostsee IV

Aufmerksam auf diese Strukturen bin ich während eines Urlaubs an der Ostsee geworden. Beim Beobachten der heranrollenden Wellen fiel mir plötzlich auf, dass die Gischt den synästhetischen Eindrücken von Geräuschen ähnelt, dass sie grau bis weiße undefinierbare Formen haben und mit einer Textur versehen sind. Um mir dies besser zu verdeutlichen, fing ich an, eine Serie Ostseebilder zu malen.


Ostsee V

Ich zerknitterte Butterbrotspapier und Stoffreste und bemalte diese Strukturen mit den verschiedensten Grün- und Blautönen, die ich in der Ostsee entdeckt hatte. In diese maritime Farbpalette bettete ich die Geräusche als graue bis weiße Ansammlungen von Strichen oder Flächen.


Ostsee VI

Das Betrachten dieser Bilder ermöglichte mir eine ständige Korrespondenz zwischen den inneren Bildern von Geräuschen und den gemalten Strukturen, um einen ständigen Vergleich zu ermöglichen.
Für mich stellte sich stets die Frage, wie ist die Textur der Oberflächen eines Geräusches angelegt? Ähnelt sie den gemalten Strukturen? Oft sind nur sehr feine Unterschiede zu erkennen, wie z. B. das Reiben von Handflächen von dem des Sandpapiers.


Ostsee VIII

Die oben beschriebenen Strukturen sind mittlerweile ein Bestandteil meiner fotografischen Arbeiten geworden (mehr Beispiele sind unter fotografierte Geräusche zu sehen). Eines Tages tauchten diese Geräuschoberflächen in meinen Fotos auf. Unbewusst habe ich ständig nach Oberflächen Ausschau gehalten, die den inneren Geräuschstrukturen ähnelten. Diese vorwiegend in Schwarz-Weiss gemachten Aufnahmen, dienten mir als Hilfsmittel, um die inneren Strukturen besser zu erkennen und beschreiben zu können.
Es entstand auch hier ein Dialog zwischen den Fotos und meiner Synästhesie, der bis heute noch andauert. Die Geräusche, die ich ein wenig farbig sehe, versuche ich vorsichtig mit fast monochromem Farbaufnahmen zu erschließen.


In Collagetechnik habe ich reibende und knackende Geräusche (dunkle Punkte und Striche) dargestellt.

Die dunklen Flächen in dieser Collage sind Knallgeräusche (Türknallen, Luftballon zerplatzt usw.).