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Räumliche Wahrnehmung

Ebenen
Eine oft gestellte Frage lautet: Wie kannst du bei deiner Synästhesie überhaupt autofahren? Das müsste dich doch total ablenken? Keine Spur.

Meine synästhetischen Wahrnehmungen sind unabhängig vom normalen Sehen. Ich sehe die Welt weder durch einen Schleier noch wird irgendetwas verdeckt. Die Synästhesie läuft unabhängig vom Sehen im Gehirn ab. Zwar ist der virtuelle Cortex (das Areal, das die Informationen des Sehnervs verarbeitet) am Entstehen einer Synästhesie beteiligt, aber dies wirkt sich nicht negativ auf das Erkennen meiner Umgebung aus.
Die Bilder meiner Synästhesie sind schwächer als die gesehenen, aber stärker als die Bilder meiner Erinnerung. Letztere sind eher pastellfarbig. Die Wahrnehmungen der Synästhesie liegen in ihrer Stärke dazwischen. Es ist ein eigener Kanal.
Während ich auf der visuellen Ebene keinen Einfluss auf das Gesehene ausüben kann, gelingt mir dies auf der Synästhetischen und der Erinnerungsebene. Zwischen diesen beiden kann ich wie beim Fernsehen hin- und herschalten.
Der innere Monitor
Meine synästhetischen Wahrnehmungen projiziere ich auf einen inneren Monitor, der sich bei normaler Lautstärke etwa 30 Zentimeter vor meinem Kopf befindet. Die synästhetischen Bilder sehe ich vor einem dunklen Hintergrund, der keine spezifische Farbe hat. Ich weiß nicht, ob er dunkelgrau, -blau, -grün oder -rot ist. Man spricht von einer virtuellen Farbe, die nicht in der Natur zu finden ist.
Der innere Monitor ist bei mir sozusagen mit meinem Gesichtsfeld "fest verankert". Die Synästhesieeindrücke kommen bei mir von allen Seiten. Es umgibt mich quasi eine Kugel und zwar eine ausgebeulte. Nahe Töne oder Geräusche nehme ich nah an meinem Kopf wahr, bei entfernteren beult sich der Monitor dementsprechend aus.

Man kann das vergleichen mit dem Rundumblick auf einem Platz. So wie ich vorne die Autos und dahinter die Häuser betrachte, mal oben, mal unten oder ich drehe den Kopf, um das nächste Haus zu sehen, so sehe ich auch meine Synästhesien. Sie stehen senkrecht vor mir, auf meinem Monitor. Teile von ihnen sehe ich im unterem Bereich, andere Teile im oberen oder seitwärts oder auch hinter mir (was in Wirklichkeit nicht möglich ist), je nachdem, woher die Geräusche kommen. Mein inneres Auge wandert dann von vorn nach hinten oder von oben nach unten und fokussiert immer dort, wo es für mich interessant ist.

Würde ich mich auf dem Platz hinlegen, dann wären nur noch die Dächer der Häuser zu sehen. Meine Synästhesien aber "wandern" mit der 90° Drehung mit. Sie stehen wegen der "starren Achse" immer noch senkrecht vor mir (siehe Skizze). Anstatt nur den oberen Teil meiner Synästhesie zu sehen, nehme ich alle anderen auch war. Nur verschieben sie sich ein wenig, da der Winkel ein anderer geworden ist (Trompete A und B). Es tritt keine Form extrem nach vorne oder nach hinten oder bekommt eine Schieflage (siehe Trompete C).


Projektionsfläche und Schärfenebene
Auf meinem Monitor kann ich ungefähr 20 bis 30 Sekunden überblicken. Die Eindrücke laufen wie beim Film ab, sie sind ständig in Bewegung. Wie beim richtigen Sehen fokussiere ich nur einen kleinen Ausschnitt dieser 30 Sekunden. Um alle Details einer Musik genau sehen zu können, muss ich sie mir mehrmals anhören.
Gesprächssituation
Wenn ich Worte höre, dann sehe ich sie zusätzlich auf meinem inneren Monitor, aus der Richtung aus der sie gesprochen werden. Wenn zusätzlich Störgeräusche auftreten, dann kann es passieren, dass ich das Wort nicht lesen kann und ich es dann auch nicht verstehe. Bevor ich es nicht lesen kann, kann ich auf das Gesagte nicht reagieren. Das ist in größeren Veranstaltungen ziemlich nervig, da sich dann die Worte oft überlagern, sehe ich meist nur einen Buchstabenmix.

Die gelben Linien und roten Punkte sind Musik.
Der schwarze Balken rechts ist eine zuknallende Tür.
Die Punkte unten Links sind das Geräusch von Stöckelschuhen.
Der gelbe Fleck rechts ist eine Autohupe.
Ein knisterndes Geräusch befindet sich als grauweißer Fleck über den Stöckelschuhen.
Die rote Form links soll das Splittergeräusch eines herunterfallenden Glases darstellen.
Die unterschiedlichen Stimmen überlagern sich.
So ähnlich könnte für mich eine Situation im Straßencafé aussehen.